Ohne Nietzsche wäre das Leben ein Irrtum

Derweil lese ich Nietzsches Briefe zum zweiten Male. Von Nietzsche stammt der Satz, ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. Auf Musik könnte ich durchaus verzichten, jedoch wäre das Leben ohne Menschen wie Nietzsche für mich ein Irrtum. Das ist keine Phrase.

Heidegger
Kierkegaard
Wittgenstein
Luhmann
Pascal
Schopenhauer
Nietzsche

Sie symboliseren nicht bloß irgendwelche Denkprobleme, an denen sich dann beliebig abgearbeitet werden kann. Sie sind Ausdruck einer seltenen Lebendigkeit. Sie wirken phänomenal, weil sie rare Phänomene sind. Sie sind keine Leuchttürme, die den Weg leuchten. Sie gleichen mehr Sterne, die implodieren und deren Licht noch lange nach ihrem Erlöschen durch die Dunkelheit der Menschheit wandert und sich sichtbar abzeichnet.
Wer jemand wie Nietzsche zum Freund haben kann, wird gegenüber den Lebenden sehr wählerisch.

Die Flucht vor der Philosophie, die Flucht vor dem Leben

Die Unabschließbarkeit der Philosophie wird gerne als vorgeschobener Grund verwendet, um sich gegen die Philosophie auszusprechen. Unabschließbarkeit ist kein Exklusivphänomen der Philosophie. Die Sprache ist ebenso unabschließbar und dennoch hört die Mehrzahl nicht mit dem sprechen auf, versucht es nicht einmal. Auf die bekannteren unabschließbaren Phänomene wie Hunger oder Sexualität will ich gar nicht erst weiter eingehen. Unabschließbarkeit stellt folglich nicht das Hauptproblem für die Mehrzahl dar. Die Flucht vor der Philosophie hat andere Ursachen. Die Flucht vor der Philosophie ist eine Lebensflucht.
Sich aus dem vorgeschobenen Grund von der Philosophie abzuwenden – ohne sich zuvor ihr nicht bloß zugewendet, sondern hingegeben zu haben – und dann ungehemmt von lauter anderen Dingen zu sprechen, meist zu schwatzen, ist eine reine Gedankenlosigkeit. Lebendigkeit ist Unabschließbarkeit. Die Frage nach dem Tod sei davon ausgeklammert, schon aus dem Grunde, da auch die Philosophieverächter sich nicht umbringen, es ihnen nicht auf Endgültigkeit ankommt. Unabschließbarkeit ist kein Argument gegen die Philosophie. Der einzige legitime Grund vor der Philosophie zu flüchten lautet Denkfaulheit. Diesen Beweggrund zu verschleiern kennzeichnet die unaufrichtigen Menschen. Wer kein leeres Geschwätz erträgt, und die Philosophie diesem Begriff zuordnet, der muss sich die Zunge aus dem Munde reißen. Befremdlich fragt die Philosophie nach jener Anfangsfremde, die Nychts, Seyn und Wahrheit vereint oder die von alldem in aller Fremde so gar nichts weiß. Wer über den Anfang nichts aussagen kann, der kann überhaupt nicht wahrhaftig sprechen. Dabei ist zwischen Wahrheit und Richtigkeit semantisch zu unterscheiden, vergleiche dazu die Äußerungen Heideggers in seinen Schwarzen Heften, sowie meinen Idiotika-Ergänzungen.
Ohne anfängliche Wahrheit befindet sich der Einzelne nicht in unzähligen Relationen und gar Relativitäten, sondern Alles ist gänzlich irrelevant.
Für mich zeichnen sich vorläufig vier Fragebezirke ab, auf die es verfehlt wäre voreilig abschließend zu antworten.
Nychts/Seyn als Ist?
Nychts/Seyn als Nychts?
Nychts/Seyn als Fremde?
Nychts/Seyn ohne Als?
Ohne ein Wissen von dem Als ist ein wahrhaftiges existieren nicht möglich. Jeder Ausruf eines Verstehens, in welchem Mikrosphäre es auch verhaftet bleibt, ist unredlich. Jedes Wort fällt dem Geschwätz zu. Lässt sich bestimmt nichts wahrhaftig anfänglich aussagen – und die Bestimmung von Allem liegt, sofern sie liegt, im Anfang – dann kann über Alles andere erst Recht nicht wahrhaftig gesprochen werden. Jedes Wort ist dieser Konklusion nach leeres Gerede, diese Worte nicht ausgenommen. Hinzu tritt die erwähnte Unabschließbarkeit der Sprache. Auch das Schweigen beendet die Sprache nicht, sondern stellt sich tief in sie hinein.
Lebensflucht stellt für mich dar, davor zurückzuschrecken, was das Leben (genauer: Alles) ist, sofern es eben dieses Ist aufweist. Erst der Anfang kann diesbezüglich Auskunft geben, sofern er eine Kunde hat, die er verkünden möchte. Fehlt der kundige Anfang, dann verfällt nicht alles in Relativitäten, sondern in gänzlicher Irrelevanz. Jedes Wort, ob philosophischer Prägung oder nicht-philosophischer, wäre dann aus Leere in eine Leere hineingesprochen. Und ungezählte Wörter sorgen diesbezüglich noch lange nicht für eine Fülle. Die Philosophie fragt auch nach ihrer eigenen Leere, geht ihr nicht aus dem Wege. Während der gedankenlose Mensch stets eine Fülle von Wahrheiten im Angebot hat. Meist im Sonderverkauf, günstig rabattiert, damit platz gemacht wird für die Wahrheiten der nächsten Saison.
Ich werde nicht vor der Philosophie fliehen. Mein Denken soll sich nicht verflüchtigen, die Lebensflucht antreten.

Um-gang mit Menschen pflegen vs. Menschen um-gehen.

Deutschland weist ca. 82 Millionen Einwohner auf. Es ist ein Fehlschluss, zu glauben, wenn jemand 3000 Leuten auf Twitter folgt erhält dieser einen präziseren Überblick über die Gesellschaft als jemand der das Internet vollständig meidet. Werden stattdessen die Menschen in den Alltagssituationen (Supermarkt, Straßen, Veranstaltungen, Arbeit usw.) beobachtet, könnte ein breiterer Zugang gegeben sein als wenn sich auf 140 Zeichen-Menschen spezialisiert wird, was in sich bereits eine sehr schmale Zielgruppe ist (trotz millionenfacher Mengenanzahl, die jedoch nie in dieser Höhe auch tatsächlich verfolgt werden kann), die einen Großteil an Gesellschaftsbreite ausgrenzt. Dazu ja auch die übliche Frage von quantitativer und qualitativer Forschung. Ein ausführliches leibhaftiges Gespräch legt mitunter mehr offen vom Menschen, als wenn in der gleichen Zeit zwei, drei (meist nichtssagende) Tweets von ungefähr tausend Menschen konsumiert wird. Letztes verharrt doch unweigerlich sehr stark an der Oberfläche. Ob die Gesellschaft ohnehin jemals ALS Gesellschaft kennengelernt wird ist doch sehr fraglich, es bleibt bei verzerrenden Auszügen. Von daher erscheint es mir legitim das Internet als Austauschplattform zu meiden und sich dennoch als Gesellschaftsforscher zu bezeichnen. Ich selber bin kein Gesellschaftsforscher und will auch keiner sein. Luhmann würde seine Zeit gewiss auch nicht damit vertun regelmäßig Alltagsmenschen bei ihren Alltagstweets zu beobachten. Dort entscheidet sich ohnehin nicht die Gesellschaft. Sie mag dort auch stattfinden, aber eben immer nur als Auch und nicht in aller Ausschließlichkeit. Es werden wohl mehr Menschen im Supermarkt gehen als dass sie ins Internet gehen (auf Deutschland bezogen). Weiterhin bleibt die Frage bestehen, was damit gewonnen wäre, 82 Millionen Menschen kennenzulernen, wenn der Mensch zwangsläufig der Wahrheit exkludiert ist, da die Wahrheit von ihm nicht als Anfang ausgeht. Möchte ich Menschen kennenlernen, die so munter vor sich dahinschwatzen oder die ominöse Wahrheit?

Notizen zu: Warum ich (scheinbar) das xte Revolutionsbuch schreibe, das die Welt gesehen/ungelesen bei Seite gelegt hat/legen wird

Etliche Menschen sind von ihren Anlagen her nicht dumm. Jedoch bezeichne ich es als Dummheit, wenn die Klugheit auf Sekundäres angewendet wird. Es erscheint mir nicht sehr intelligent seine Intelligenz so zu verschwenden. Solchen Menschen wird die Erde zwar nicht zur Scheibe, aber oft genug zu einem Viereck, da sie dazu neigen lauter Monitore zu betrachten. Sie schauen Fernsehen, ergötzen sich an Computerspielen oder starren auf ihre Smartphones.
Wer sich Computerspielen aussetzt unterwirft sich der Diktatur des Programmcodes. Es verhält sich hier ähnlich wie beim Film. Jemand schreibt ein Drehbuch und dieser Film kann dann nur passiv so konsumiert werden, wie er eben gedreht wurde. Ein Computerspiel hat ein paar Variablen mehr eingebaut, aber auch diese sind in den vorgegebenen Strukturen einverleibt. Selbstständige Handlungen bleiben aus. Wer Computerspiele spielt legt nicht viel Wert auf Freiheit, er möchte vorgegeben bekommen, was er tun und was er nicht tun kann. Scheinbar unberechenbares Verhalten des Computers wird in Berechenbares Verhalten umgewandelt. Ab einen gewissen Punkt ist ersichtlich, welchen Winkel ich anvisieren muss, um zum Beispiel ein Tor zu schießen, den der Computertorwart unter keinen Umständen hält.
Es heißt nicht umsonst Lebensklugheit und nicht Playstationschläue oder Smartphoneklugheit. Wobei die Werbeindustrie viel dafür getan hat der technischen Verblödung einen klugen Anstrich zu verleihen, in dem es Smart als Eigenname erfunden hat.
Viele (männliche) Studenten sind nach wie vor den Computerspielen zugetan. Wenn ich bedenke, dass diese Studenten später unter Umständen selber die Ausbilder, Lehrer von anderen sein sollen … Die Klugheit zeigt sich nicht daran, ob ich nebenbei Goethe zitieren kann.
Monitormenschen sind nicht der Schlag Menschen mit den sich die Gesellschaft verändern lässt. Sie sitzen passiv auf dem Sofa vor ihrem Display und schreiben höchstens aktiv mal einen Internetkommentar. Solche Menschen haben gelegentlich ein kurzes denkerisches Aufflackern, wenn sie zum Beispiel an der Universität sind, also in einem einigermaßen kritischen Millieu eingebunden sind. Verlassen sie jedoch diese Abrichtung, äh, Einrichtung, gehen einer beruflichen Tätigkeit nach, verfallen sie in einen gleichgültigen Trott. Sie kommen von der Arbeit, wo sie bereits heimlich auf ihre Smartphones gestarrt haben und schalten auf Netflix eine Serie ein oder schmeißen die Playstation an. Im Umkehrschluss bedeutet das, es wäre eine verfehlte Annahme, von solchen Menschen zu erwarten, dass sie verstehen, worum es einen Menschen geht, wenn es ihn um das primärbezügliche Leben geht. Sie sind bereits zu sehr in eine simulierte Selbstverständlichkeit hineingeraten. Wer auf Computerspiele verzichtet besitzt noch lange keine richtige Weltsicht, zum einen, weil die Welt auf die Welt ALS Welt keine Sicht zulässt, jedoch gibt er sich nicht mit von Menschen programmierten Welten zufrieden, wie sie Filme und Computerspiele darstellen.
Ein jeder versucht sich das Milieu auszusuchen, in dem er sich am wohlsten fühlt. Bei mir ist dies das bibliothekarische Milieu, ich bin umgeben von toten Menschen, die einige ihrer Gedanken, in Büchern zurückließen. Ich lese also gerne Heidegger und Kierkegaard, andere fühlen sich wohler, wenn sie Cartoons auf ihrem Smartphone anschauen. Ihnen ist es möglich innerhalb einer Minute auf eine Twitter-Nachricht oder eine Whatsapp-Nachricht zu antworten, da sie noch auf ihr Handy starren, selbst wenn sie im Supermarkt abkassiert werden, oder im Restaurant oder im Cafe beim Mittagessen sitzen und derweil auf ihr Smartphone starren, statt sich mit ihrem Gegenüber zu unterhalten. Oder was ich auch oft beobachte, wie sie auf dem Spielplatz oder in der Kinderarztpraxis lieber auf ihr Smartphone starren, während ihr Kinder verzweifelt versucht sie zum Spielen zu animieren.
Schopenhauer beschimpft jene Menschen, die nicht in sein Denken hineinpassen, gerne zum Beispiel Hegel. Das ist eine gämgige Praxis, die sich auch derer bedienen, die sich über die Philosophie im Allgemeinen lustig machen oder sie gleich verunglimpfen. Und manche Philosophen schimpfen zurück, die Klügeren wenden sich derweil lieber dem Denken zu. Gracians Ausspruch, dass die eine Hälfte der Welt über die andere lacht und Narren sie doch alle sind, bleibt höchst aktuell. Dennoch kann ein einzelner Mensch in seinem Narrentum dennoch denkerischer sein als ein anderer, ohne dass damit bereits der Wert von Denken schlechthin geklärt wäre. Mit höheren Weihen hat dies noch nichts zu tun. Das ist einfach eine reine Feststellung, er denkt mehr. Sicherlich bleibt die Frage bestehen, ob Denken eine Angelegenheit der Quantität oder der Qualität ist, oder es generell in beide Schlagworte nicht hineinpasst, es eine ganz eigentümliche Art des Seins ist. Wer vor der Playstation sitzt denkt weniger als jemand, der derweil ein philosophisches Werk sich zuführt. Ebenso, wenn er einen Film schaut oder sich Rap-Musik anhört. Bei den letzteren beiden Fällen, mag er mitunter einzelne Gedanken aufsaugen, aber Denken ist etwas anderes als reine Gedankenausgabe. Für meinen Geschmack denke ich selber viel zu wenig und daher versuche ich mir selber Ansporn zu bieten, um zu vermeiden in die Gedankenlosigkeit abzurutschen. Denn die Gefahr ist durchaus gegeben, wenn sich in ein gedankenlosem Milieu befunden wird, dass sich von der Gedankenlosigkeit der anderen angesteckt wird. Vielleicht wollen sie einem ein neues Computerspiel präsentieren, oder den neuesten Film oder einfach irgendwelche Fußballergebnisse diskutieren. Daher stößt mir Twitter immer etwas auf, weil genau so etwas dort in der Mehrheit platziert wird, auch bei jenen, die einen denkerischen Anspruch verfolgen. Sie posten Comics, lustige Bilder oder kleine Witzeleien. Alles, was sich in 140 Zeichen hineinquetschen lässt. Was sehr wenig ist.
Häme zu erhalten kann heilsam sein, zum Beispiel hetzt Cioran bevorzugt gegen Kant und Heidegger. Häme zeigt auf, wo die Denkgrenzen solcher Menschen liegen und was von ihnen zu erwarten ist. Heidegger verteilt lauter Seitenhiebe gegen Schopenhauer, bewahrt derweil aber andächtig sein Werk bei sich in der Bibliothek auf. Ich verteile Häme gegen Monitormenschen, der ich mit Abstrichen auch selber bin, und so sind von mir eben keine Neuigkeiten über Computerspiele oder Smartphoneinnovationen zu erwarten. Da liegt durchaus beabsichtigt meine Denkgrenze. Cioran bringt viele interessante Gedanken hervor, aber mit ihm ist das Denken nicht abgeschlossen, nicht einmal anfänglich gestaltet. So ist fast jeder Denker, jeder Mensch schlechthin, eingeschlossen in einer Art Blase und hat autistische Züge, die er zwar bemüht sein kann hier und da aufzubrechen, dennoch kann er diese Blase nie ganz zerstören, da sie sein Selbst symbolisiert, jedoch wahrhaftig nicht ist. Wer klar denken will benötigt eine autistische Abgeschlossenheit, denn wer sich nicht leichtfertig abschließt produziert unklare Texte, in denen nichts eindeutig ist. Diese Uneindeutigkeit wird als Widerspruch von außen bewertet und soll bereits als Gegenargument gegen den Texter dienen. Das Denken hebt sich sozusagen selbst auf. Dem muss nicht so sein, denn solange keine Wahrheit da ist, solange ist weder Widerspruchsfreiht noch Widersprüchlichkeit ein überzeugendes Argument für irgendetwas. Es sind bloß Denkversuche.
Mir fällt durchaus auf, dass die 20jährigen Studenten überwiegend kritisch solide geschult sind, sie sind bereits viel klüger als ich es noch mit Ende 20 war. Sie haben ihr Basisset an Kritik verinnerlicht, damit haushalten sie sehr gekonnt. Sie hängen glücklicherweise keiner Autoritätengläubigkeit nach, könnte man zumindest meinen, insgeheim suchen sie sich durchaus ihre Autoritäten, die sie dann munter zitieren und imitieren. Der erste Schritt, der offensichtliche Mangel an Autoritätengläubigkeit, ist zu begrüßen. Jedoch folgt dem ersten Schritt sehr selten ein zweiter Schritt. Ihre Ungnade gegen jede „höhere Weihe“, verhindert, dass sie sich ernsthaft mit etwas auseinandersetzen. So begnügen sie sich damit zum Beispiel ein Zusammenfassungsbuch über die im Umlauf befindlichen Theorien zu lesen, und damit sei dann das nötigste schon getan. Sie setzen sich mit nichts intensiv auseinander, sondern nutzen ihre Basiskritikschulung um verspielt durch einige Texte durchzufliegen, die ihnen zwangsweise vorgesetzt werden. Von sich aus lesen sie nicht so gerne. Sie lesen nicht zehn Bücher von Kant oder zehn Bücher von Heidegger, denn in einem ihrer Zusammenfassungsbücher stand doch schon alles, was man darüber wissen muss und damit ist die Angelegenheit (Die Angelegenheit Denken) für sie abgetan. Heidegger und andere ist für sie bereits kritisch überholtes Zeugs. Das können ihre Zusammenfassungsbücher bezeugen. Kritisch gegenüber Texten zu sein verwechseln sie dann damit sich überhaupt ernsthaft mit einen Text auseinanderzusetzen, die ihnen nicht in einer bestimmten gewohnten Form präsentiert werden, die nicht in ihr Denkmilieu passen. Blumenberg bekundete zum Beispiel in seinen Briefen, dass er weiß, dass er für ein bestimmtes Publikum schreibt, jene, die ein wenig wissenschaftshistorisch angehaucht sind und es gerne haben, wenn da eifrig lockere Zitate eingestreut werden, damit der Lesefluss genießbar bleibt. Knallharte Denktexte fordern sein Publikum nicht, es bleibt spielerisch unterhaltend, wenn auch nicht gänzlich gedankenlos. Auch im Akademikerkreis lesen die Menschen hauptsächlich zu Unterhaltungszwecken, um selber Material aufzunehmen, womit sie in Unterhaltungen bestehen können, um Zitate präsent zu haben. Den Professor möchte ich einmal sehen der seine Vorlesung mit der Frage beginnt: „Was ist Wahrheit? Ich habe keine Wahrheit, was mache ich hier eigentlich?“ Und dann irritiert vom Pult wegtritt und einfach befremdlich nachdenkt, nachdenken muss. Stattdessen wird er die Geschichte durchkauen und alle möglichen Äußerungen ÜBER die Wahrheit antragen, zitieren. Andere reagieren derweil wie folgt: Die Wahrheit ist mir nicht zugänglich, dann kann ich auch Computerspiele spielen. All diese Menschen haben stets eine Antwort präsent, wie sie reagieren, auch darauf, was es bedeutet, wenn man keine Wahrheit hat und ob man keine Wahrheit hat, ob das überhaupt stimmt. Sie haben stets geschulte Antworten parat, die sie sofort darauf anwenden, sie sind nie gänzlich sprachlos. Kaum einer bleibt stehen und sieht, welche gigantische Fremde da aufzieht bzw. stets gegeben war. Menschen, die das Wahrheitsproblem spielerisch in einem Tweet „erledigen“ und dann im nächsten Tweet schreiben, was für Musik sie gerade hören … – zu solchen Menschen fehlt mir tatsächlich der Bezug. Diese kann ich nicht in meine Denkblase mitaufnehmen, sie nur staunend beobachten. Kritik von solchen Menschen erreicht einen immer schlechter, da nie das Gefühl vorliegt, dass diese Menschen auf sich selbst solch eine Tiefenkritik anwenden. Egal, was für kritische Texte sie über alles andere schreiben. Der naheliegende Einwand mag sein, das Gesagte treffe auf mich doch auch zu. Mag sein. Ich behaupte jedoch, der Einwand wird bloß aufgebracht, weil meine Texte nicht gelesen wurden. Ich mache seit Anbeginn meiner ersten Denkschrift (Napoelon geht zu Grunde) nichts anderes als kritisch mein eigenes Sein und meine eigene Erbärmlichkeit anzugehen. Ich bin nie weiter gekommen als zu Fremde, eine Wahrheit hat sich mir nicht aufgetan, die ich jetzt predigen könnte. Meine Plädoyers für das Denken sind dem Umstand geschuldet, dass ich im Nicht-Denken keinen Vorzug erkenne. Ich habe mich nie aus den menschlichen Erbärmlichkeiten ausgenommen. Ich habe gerade viel benannt, weil ich mich darin in Auszügen auch wiedergefunden habe. Oder zumindest mich der Gefahr ausgesetzt sah unter Umständen in gewisse Erbärmlichkeiten hineinzurutschen. Zum Beispiel erwähne ich gerne was für Mörder die Tieresser sind, die das ohne jede Not tun. So dass ich mich selber hart angehe, um diesbezüglich strenger zu mir zu sein und nicht Gefahr laufe selber wieder einer diese Mörder ohne jede Not zu sein. Oder um ein erbärmliches Verhälten endlich endgültig abzulegen. Ich schreibe anklagend, streng, damit ich selber in diese Strenge hineinrutsche. Und nicht weil ich vollkommen außen stehe und von oben herab als Moralgott predige. Ich haue mir selber auf die Finger, viele Texte sind auch an mich selbst gerichtet. Ich kämpfe durchaus mit meiner eigenen Gedankenlosigkeit und ich möchte nicht, dass sie obsiegt. Wenn ich über Twitter schimpfe, möchte ich sicherstellen, dass ich nicht in Gefahr gerate großartig viel Zeit damit zu vertun 140 Zeichen-Nachrichten zu lesen, während auf mich noch eine ganze ungelesene Bücherwelt wartet, wo sich die Menschen mit ihren Gedanken mehr Mühe gegeben haben und sich nicht mit Verkürzungen zufrieden gaben.
Nietzsche schimpft über jene, die kein rechtes Maß finden, die sich stets zwanghaft selbst begrenzen müssen, Askese predigen, weil diese Genussfeinde in seinen Augen krankhafte Lebensverächter sind. Ich bin tatsächlich kein Genießertyp, weil ich mir nicht das pure ungefilterte Leben reinballern mag. Sondern ich sage, dies und das, möchte ich für mein eigenes Sein nicht, selbst wenn es eine Möglichkeit wäre, solange keine belegte Wahrheit vorliegt und somit Alles erlaubt ist. Ich kann zum Beispiel Tiere töten und essen und das stört niemand in diesem Universum – außer dem Tier selbst – aber ich möchte das nicht, mich stört es. Selbst wenn es Wahrheit wäre, dass dies getan werden soll, dann möchte ich solch einer Wahrheit dennoch nicht blind folgen und stattdessen diese Wahrheit als erbärmliche Wahrheit brandmarken, selbst wenn sie die Wahrheit ist. In vielen Bezügen bin ich durchaus ein Lebensverächter, weil ich nicht die pure Genussfreude empfinde, wenn ich gedankenlos ein Tier verspeise. Ich mache mir lieber meine Gedanken, auch wenn diese noch nicht wahr sein müssen, dabei versuche ich darauf zu achten, dass sie nicht gar zu verlogen sind. Jene die sich dann keine Gedanken machen, erscheinen mir dann unweigerlich als gedankenlos oder ihre Gedanken sind mir denkerisch zu unbedacht, zum Beispiel, wenn sie vom harmonischen Naturkreislauf daherschwätzen, um ihre Morde zu legitimieren. Dieses Beispiel lässt sich auf viele andere Bereiche ausdehnen. Über Computerspiele ziehe ich gerne her, da ich in meiner Jugend sehr sehr viel gespielt habe und es im Rückblick enorm bedauere, soviel Lebenszeit mit solch toten geistlosen Gegenständen vertan zu haben. Ich bedauere es, dass mir niemand denkend beigestanden hat. Nicht bloß, dass mir abgeraten wurde, sondern das mir nicht im Gleichzug intensive Denkversuche nahegelegt wurden, wie zum Beispiel die von Heidegger oder Kierkegaard. Darum empfehle ich gerne Bücher, in denen ich eine gewisse Portion an Denkleistungen ausmache, weil mir soetwas damals in meinem nahen Umfeld gefehlt hat. Und dem Denker flüstert jedes Buch heimlich zu, es lässt ihn nicht mehr los, er kann nicht gedankenlos daran vorbeigehen. Darauf setze ich, so dass manche vielleicht in das ein oder andere Buch ZUSÄTZLICH hineinschauen. Ich empfange selber gerne Anregungen und liebte es, als es mir noch möglich war, stundenlang in der Universitätsbibliothek heurmzuirren und mich überraschen zu lassen.
Menschen die Philosophie studieren und trotzdem Computerspiele spielen oder Smartphones verherrlichen, bei denen habe ich nicht das Gefühl, dass sie das Denken studieren. Ich war auch einmal für einige Wochen in Philosophie eingeschrieben. Was konnte ich da beobachten (ohne dass ich zu dem Zeitpunkt besser gewesen wäre!)? Die überwiegende Anzahl geht da mit ihrem Geschwätz vor der Vorlesung dahin, schwätzen gar in der Vorlesung munter weiter, und verhalten sich allgemein so als wenn sie einen Backkurs besuchen, denn nach dem Ende der Vorlesung, reden sie gleich wieder von ihren Fußballergebnissen und Partys, welcher Film in den Kinos anläuft, bei welchem Computerspiellevel sie festhängen und was am Wochenende so abgeht. Haben sie dann ihre Prüfüng erledigt, hat sich die Philosophie für sie erledigt und sie lesen nie wieder eins jener Werke. Wozu auch? Sie sind ja jetzt selber staatlich diplomierte Philosophen! Ich selber weise kein Staatsdiplom auf – in keinem Fach. Insofern bin ich, umgedreht, ein staatlich belegter Dummkopf. Mit solchen Menschen, die sich nicht von der Philosophie berühren lassen, teile ich tatsächlich nicht das gleiche Denken, da ich nicht das Gefühl habe, dass sie von der gleichen Fremde, wie ich berührt sind. Ich möchte mit solchen Menschen auch nicht übermäßig viel zu tun haben, da ich in meiner Zeit auch lieber anderes mache als mich über etwaigige Partys etc. zu unterhalten. Es ist insofern nicht sehr verwunderlich, dass ich in meinem Leben Freundschaften nie sehr lange aufrecht gehalten habe, sie gar oft absichtlich auflöste. Erste Kontaktbindungen verfliegen meist schnell, da ich eine andere Intensität ausstrahle/aufweise (Damit ist noch keine grund-sätzliche Wertung verbunden!), die für viele verächtlich ist oder abschreckend wirkt. Seit ich eine eigene Familie habe ist mein Bedürfnis nach anderen Menschen gänzlich in den Keller gesunken. Ich bin, was Menschen anbelangt, mit sehr wenigen genügsam. Für andere wirkt das wie eine Isolation. Sie können nicht sehen, dass ich noch ganz andere Beziehungen unterhalte. Zu mir selbst, zur Natur, zu (toten) Denkern usw. Ich habe keine hundert Facebook-Freunde, ich habe nichtmal einen, ich habe nicht einmal Facebook. Meine einzige Schwäche bleibt Twitter, da hier der Zugang zu anderen Gedanken leichter ermöglicht wird, das Mitlesen zugänglicher ist, leider mit dem gravierenden Nachteil, dass Twitter nach wie vor auf ein begrenztes Tralla-Lalla-Denken setzt und 140 Zeichen für ausreichend hält. Und die Benutzen geben Twitter darin noch recht, sie haben diese Beschränkung bereits als ihre Denkgewohnheit angenommen beziehungsweise sie können ohnehin nicht eigenständig zwei Sätze formulieren, die die 140 Zeichen sprengen würden.
Hin und wieder hätte ich gerne einen Denkfreund gefunden, aber wenn man ein intensiver Denker eigener Auffassung ist (Für andere nur ein Spinner aus dem Internet), dann gestaltet sich dies schwierig, da einem die anderen in ihrem Denken nicht weit genug beziehungsweise nicht anfänglich genug gehen. Sie geben sich mit Denkpositionen zufrieden, die einem unergiebig erscheinen. Und schon ist man wieder auf sich selbst zurückgeworfen und kann sich mit dem anderen nicht begnügen. Das hat nichts damit zu tun, dass man ein Genie ist und die anderen unter einem stehen, sondern hier äußert sich ein andere Art von Denkbedürfnis. Während die anderen sich danach sehnen sich den Alkohol hineinzukippen und zur Disco zu rennen oder sich mit der Playstation betäuben/bespaßen wollen, da ihnen scheinbar das Nicht-Simulierte Leben nicht solch einen Spaß bereitet, habe ich da ein anderes Bedürfnis,was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Für andere ist dieses Leben verarmt, nicht abenteuerreich genug, aber für mich ist das nicht so verarmt, während dafür das Zerstreuungsleben für mich verarmt erscheint. Daher kann ich solchen Menschen wie Heidegger, die mit einer gehörigen Denkstrenge durchs Leben gehen, viel mehr abgewinnen als jemand wie Paul Feyerabend, obwohl letzteres mir durchaus symphatish ist und auch er das Denken bereichert. Ich kann Feyerabends Lebenseinstellung durchaus nachvollziehen, aber ich mag ihr nicht gar zu sehr anheim fallen und das schauen von Denver im TV als erstrebsam erachten. Ich möchte nicht bei so einer Position stehen bleiben, die den Fernseher preist, und falls ich temporär dabei zu stehen komme, versuche ich mich aus der Bequemlichkeit zu lösen und mich zum Weitergehen anzutreiben, um befremdlich weiterzuwandern. In meinen Texten stehen keine großen Wahrheiten, nicht einmal kleine. Es sind lauter Fragen. Fragen primär an mich. Deswegen klassifiziere ich diese Fragen nicht zu unrecht als Notizbücher.
Ich kann durchaus Denker wertschätzen, die mich wohl nicht leiden können oder mich gar verachten, oder eine ignorierende Einstellung annehmen. Zum Beispiel trat einst Neoratio an mich heran und reagierte dann so gar nicht mehr. Aber ich erkenne, dass er ein kluges Büchlein geschrieben hat und, dass er klug genug ist, seine etwaigigen Torheiten nicht im Internet zu publizieren, gar klug genug ist dem Internet fern zu bleiben. Ich erwähne ihn daher stets lobend und auf ihn verweisend, wenn es um unbekannte Denker geht. Das heißt, ich lobe durchaus Menschen, denen ich selber nichts oder nicht viel bedeute, sofern diese Denksubstanz vorbringen. Das ganz entgegen der Gewohnheit im akademischen Kreisel, wo das Spiel gespielt wird, wenn du mich zitierst, zitiere ich auch dich, ansonsten nicht. Einige Philosophen die ich mag hätten mich für dümmlich erachtet, das ändert aber nichts daran, dass ich deren Denkversuche immer wieder lobe. Solche persönlichen Befindlichkeiten leiten mich in meinen Denkversuchen durchaus nicht. Wenn mich aber Menschen anecken, in denen ich nicht viel Denksubstanz ausmache oder die ihre Klugheit auf Sekundäres verschwenden, dann besteht für mich kein Grund, diese Menschen für ihre Dummheiten auch noch zu loben. Auch ich erachte mich in einigen Phasen für dümmlich und ich versuche in dieser Dummheit nicht stehen zu bleiben. Das bedeutet für mich, mich nicht mit der Gedankenlosigkeit zufrieden zu sein und lieber das Denken zu suchen wie zu versuchen, was auch immer das in aller Fremde bedeuten mag. Andere suchen derweil lieber den nächstbesten Scherz. Oder das nächstverfügbare Zerstreuungsinstrument.
Denken scheint auch nur eine Form der Zerstreuung zu sein, wenn sich durch unzählige Texte gelesen wird. Trotzdem ist das eine ganz andere Erfahrung des Ichs, so wie jemand der Drogen nimmt auch eine ganz andere Erfahrung des Ichs hat. Aber diese Erfahrung des Drogenmenschen will ich gar nicht machen. Ich als Mensch bestrebe mich nicht darin alle möglichen Erfahrungen wahrzunehmen. Ich brauche keine rosa Elefanten wahrnehmen, damit mir das Leben merk-würdig erscheint. Das tut es ohnehin. Die befleckte Kuh ist für mich befremdlich genug, ich benötigte keine gesteigerte Fantasiepotenz. Das Universum als solches ist für mich schon fantastisch genug.
Wenn das Denken und das Nicht-Denken auf die Waage gelegt wird, dann habe ich in meinen Schriften, das Denken nie krass nach oben schellen lassen, sondern bloß eine leichte Bewegung angezeigt. Der minimalen Bewegung habe ich jedoch immer einen Vorzug zugewiesen, da das Nicht-Denken keine Bewegung des Geistes ist und es mich insofern nicht bewegt.
Ich habe mir jetzt das Ziel gesetzt „Revolution ohne Revolte“ zu schreiben, während andere sich eben das Ziel setzen in ihrem Computerspiel den Endgegner zu besiegen. Das Buch war nie mein primäres Anliegen, die Wahrheit beschäftigt mich mehr. Dennoch: Wenn ich all die kleinen Kinder sehe, oder meine eigene Tochter, dann entsteht so ein nicht abzutötender Anreiz …
Auf vielen öffentlichen Toiletten steht der Hinweis, man möge die Toilette doch bitte so hinterlassen, wie sie vorgefunden wurde (Nehmen wir ferner an dies sei ein sauberer Zaustand). Bei der Erde als Ganzes verfällt dieser Anspruch scheinbar. Kaum jemand will sie Besser hinterlassen, er möchte vielmehr augenblicklich besser leben. Es ist auch schwierig zu beantworten, was dieses Besser wäre, anbetracht eines Todes, der jeden Körper unweigerlich durchdringt bzw. aus ihn hervordringt. Dennoch: Wie sehr die eigenen Kinder geliebt werden, zeigt sich nicht daran, welch monetäres Erbe ihnen hinterlassen wird, sondern in welchem Zustand ihnen der Lebensraum übertragen wird. Auf einer zerstörten Erde kann ich mir von Geld nicht einmal mehr ein müdes Lächeln kaufen.
Ich liebe meine Tochter. Folglich möchte ich ihr nicht bloß eine gegenwärtige Liebe, sondern auch eine zukünftige Liebe mitgeben. Eine Liebe die noch nach dem eigenen Tod andauert, da der Boden für eine spätere Saat umgegraben wurde.
Das ist mein Anreiz mich mit derzeitigen Gesellschaftsfragen zu befassen. Denn ich würde mich lieber mit Seyns/Gottes-Fragen „beschäftigen“, da dort ein größerer Existenz-Bezug gewährleistet wird als mit gegenwärtigen Politiken, die rascher Verfallen als sie aufkommen.
Ich werde mich aber nicht damit befassen, was Trump hier gesagt hat, was die AFD dort gesagt hat. Ansonsten könnte ich mich auch gleich wieder gedankenlos mit Computerspielen beschäftigen. Vielmehr strebe ich actualitas im Sinne der Wirklichkeitsübersetzung an.
Es ist sehr leicht Menschen wie Trump zu kritisieren, da diese keine Denker sind. Auch wenn sie hier und da Themen berühren mögen, die Gehör verdienen. Vielmehr werde ich zur Abwechslung einen eigenen Entwurf vorlegen und nicht bloß in der Negation verharren. Im politischen ist das möglich, in der Wahrheitsfrage nicht. Weil die Wahrheit entwirft man nicht als System, entweder sie ist da oder sie ist nicht da. Die Gesellschaft ist ein wahrheitsloser Ort, deswegen lassen sich darin Gesellschaftsentwürfe platzieren. Es sind Möglichkeitsformen, die actualitas des Seyns wird damit überhaupt nicht berührt.
Meine Notizbücher sind nahezu alle für mich selbst geschrieben, da mich gewisse Fragen bewegten und bewegen. Dieses Buch (Revolution ohne Revolte) schreibe ich nicht für mich. Mir nützt das Buch nichts. Es ist für zukünftige Menschen, denn solche Gesellschaftsformationen benötigen viel Zeit. Zeit, die aktuell leidende Menschen nie haben. Jeder Gesellschaftsentwurf ist auf eine Zukunft gerichtet, in der man selber gar nicht mehr auftaucht, nicht mehr auftauchen kann. Aktuell hungernden Menschen kann nur anders geholfen werden, nicht auf eine denkende Art, die das Schema der Kurzfristigkeit beabsichtigt zu durchbrechen. Jemandem der aktuell verhungert kann ich keine Schrift hinlegen mit anstehenden „Revolutionen“, die sich über mehrere Jahre hinziehen. Er benötigt sofort Brot. Das Brot denkt nun einmal nicht. Ist das Brot aufgegessen, fehlt wieder ein Brot. Denken wird solch einem Menschen kurzfristig nie nützen, Denken ist eine langwierige Angelegenheit.
Am Ende kann der vorgelegte Entwurf zerlegt, kritisiert, abgelehnt (oder vermutlich ignoriert) werden. All das ist legitim. Gerade weil es kein Wahrheitsentwurf ist, ist dies hier sogar angebracht.
All das kann ich nicht Menschen erzählen, die ihr Smartphone mit der Welt verwechseln. Ihr Smartphone hat zwar auch etwas mit der Welt zu tun, aber nicht sonderlich im Seynsbezug, dafür verstärkt im Gesellschaftsbezug (Rohstoffausbeutung, Schrottabfälle, Verdummungsstrategien usw.). Zuerst muss ich es mir also selbst erzählen, das wirkt dann unweigerlich autistisch. Aber diese autistsichen Züge sind hier notwendig, um überhaupt einen Text entstehen zu lassen. Es benötigt Scheuklappen, um nicht auf jeden gedankenlosen Reiz reagieren zu müssen. Um sich vor Playstationmenschen zu schützen, die zwar auch ein Teil der Wirklichkeit sind, aber eben gerade der ruinöse Teil.

Entschulung der Gesellschaft

Unter diesem Titel legt Ivan Illich eine Schrift vor, die gegen die üblichen Denkverkrustungen zu Felde zieht.
Die Gleichsetzung Schule = Bildung wird aufgespalten.
Ohnehin lässt sich auch anhand gegenwärtiger VerGLEICHstest (Pisa-Studie) fragen, was da überhaupt gemessen wird? Individuelle Bildung wohl kaum. Diese ließe sich gar nicht standardisiert auswerten. Was also gemessen wird ist Anpassungsleistung, nur diese ist vergleichbar. Antworten werden vorab gerahmt und auf diese VORannahmen (die jedes eigenständige Denken ausschließen, da solch eines durch das Antwortenraster fällt), beruft sich der Test.
Zwar können Sprachfähigkeiten überprüft werden, buchstabliche wie jene in Zahlen, aber auch daran ist solch eine enorme Eigenleistung geknüpft, die sich jedem Massenvergleich versagt.
Ein Vergleichstest, der sich über mehrere Länder erschließt, muss gerade zu die nationale Kultur ausblenden und davon ausgehen, es gebe so etwas wie ein Universalwissen. Das ist jedoch keine geringe Vorannahme.
Das nur als kurze, nicht abschließende und gewiss nicht vollkommen ausgewogene Notiz.